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BeastyBasti – Wir Kinder vom Web 2.0 » Zeitgeschehen

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Kaum zu glauben oder?

Volksaufstand wäre mir lieber als Nationalfeiertag

Was ich von Nationalfeiertagen halte, bei denen die Deutsche Einheit und somit der Sieg über, bzw. der Niedergang des ehemals totalitären Systems der DDR gefeiert werden soll, kann ich ihnen sagen. Vor dem Hintergrund, das in diesem Land noch vor ein paar Tagen massiv mit Wasserwerfern, Tränengas und Knüppeln gegen friedliche Demonstranten vorgegangen wurde, vergeht mir die Lust zu feiern. Wundert mich irgendwie auch nicht, das diese Feierlichkeiten nun von einem Polizeiaufgebot begleitet werden, das seinesgleichen sucht. Und sagen sie jetzt nicht, all die freundlichen Polizisten, in ihren futuristisch anmutenden schwarzen Uniformen und den schönen schwarzen Gummiknüppeln, wären nur gekommen um mit uns allen friedlich mit zu feiern, diesen Tag der Deutschen Einigkeit…

Ganz ehrlich, meine Lust zu Feiern hält sich da stark in Grenzen.
Zu frisch sind die Bilder in meinem Kopf, von Polizisten, welche friedlich demonstrierende Bürger dieses Landes niederknüppeln – wegen eines Bahnbauprojektes! Egal ob man nun pro oder contra Stuttgart 21 eingestellt ist, in einer Demokratie sollte der Staat seinen Bürgern zuhören und sie nicht niederknüppeln lassen.
Nun gut, die S21 Demo fand an einem Donnerstag in Stuttgart und nicht an einem Montag in Leipzig statt und schließlich ging es ja nicht darum eine Mauer einzureißen, sondern vielmehr einen Bahnhof aufzubauen. Heute nun ist Sonntag und nicht Montag oder Donnerstag und heute wird gefeiert. Und zwar die Deutsche Einheit. Basta! Und wie es bei solchen Feiern üblich ist, wird da geredet. Geredet und nicht zugehört. Und wenn das Volk etwas will, dann kann man ja immernoch weghören. Schließlich ist Nationalfeiertag. Wenn das Volk etwas will, dann soll es sich überlegen was und dann gefälligst am Wahltag wiederkommen, um seine Wünsche vorzutragen. PUNKT! Demokratie ist schließlich kein Ponnyhof!

Und appropos Ponnyhof. Nach welchen Gesichtspunkten werden eigentlich Bahn-Chefs ausgesucht? Irgendwie scheint mir da ja auch der Wurm drinn – oder sollte man sagen, wer anderen eine Grube gräbt…
Ließ der alte Bahn-Chef Mehdorn seine Mitarbeiter lediglich in guter alter Stasiemanier ausspionieren und bespitzeln, lässt der neue Bahn-Chef Grube (für dessen raschen Amtsantritt sich übrigens genau diese Bundesregierung ausgesprochen hat) nun seine Bauvorhaben von der Staatsmacht durchprügeln und spricht den Gegnern des Bauprojektes öffentlich sogar das Demorecht ab. Schöne Demokratie in der wir da leben. Vielleicht erklärt das dann auch, wieso ich wenig Lust habe, die Einigkeit einer Nation zu feiern, in der Schienenkonzerne diktieren, wer ein Demorecht hat und wer nicht.
Mich jedenfalls würde es nicht wundern, wenn die Regierung demnächst von ein paar Lobbyisten diktiert bekommt, sich gefälligst doch noch einmal zu überlegt Alkohol für existenzsichernt zu erachten und die Harz 4 Sätze noch mal um ein paar Flaschen Schnaps im Monat zu erhöhen. Sollten nämlich doch noch ein paar mehr Menschen ihren nüchternen Blick auf die MissGeschicke dieser Regierung lenken, könnte es durchaus voller auf den Strassen werden. Aber wer weiß, vielleicht feiern wir dann ja schon bald nicht mehr den 3. Oktober als Nationalfeiertag, sondern etwas ähnliches wie den Volksaufstand des 17. Juni 1953.
Denn ganz ehrlich, ob mir zu Hause die Tränen aufgrund der Qualität des Fernsehprogramms in die Augen schießen, oder auf der Strasse wegen des Tränengases ist doch letztendlich auch schon fast egal…

Angenehmen Feiertag…