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BeastyBasti – Wir Kinder vom Web 2.0 » Privates

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Kaum zu glauben oder?

Tagebuch eines Hafenarbeiters: Nachtleben

“Nachtleben eines Hafenarbeiters” – was zunächst nach spannenden Nächten in amüsanten Etablissements klingt, war für mich im letzten Jahr eher… nun ja, sagen wir mal ein Abschnitt in meinem Leben, von dem ich noch nicht so recht weiß, was ich von ihm halten soll und ob er mir wirklich gut getan hat. 3 Jahre Hafenarbeiter, auf den Tag genau und das letzte davon verbrachte ich auf der dunklen Seite der Macht mit Nachtschichten.

Tage, die als Nächte begannen. Tage die für mich dann anfingen, wenn andere Werktätige ihren Feierabend einläuteten. Feierabend, wenn bei euch der Wecker klingelte. Das mit dem Feierabendbier habe ich mir bei Zeiten abgewöhnt, denn irgendwie schmeckt ein Beck’s um 6:00 Uhr morgens eben nicht so, wie am Abend. Überhaupt verändern sich alltägliche Gewohnheiten, wenn man im Dunkeln lebt. Aufstehen, wenn die Sonne unter geht und ins Bett, wenn der Rest der Welt die Kaffeemaschine anstellt und die Brötchen aufschneidet. Vieles verändert sich und ich glaube ich selbst habe mich im letzten Jahr auch verändert. Irgendetwas macht es mit einem eben doch, wenn man mitunter einfach mal ein paar Tage kein Tageslicht zu Gesicht bekommt. “Daywalker” witzeln die Kollegen, wenn man sich zufällig einmal am Tage irgendwo in der Stadt trifft und ob man jetzt eigentlich mit seiner Gehaltsabrechnung eine Packung Sonnecreme Lichtschutzfaktor 1000 erhalten würde… haha hihi… naja… wer den Schaden nicht hat…
In der Tat bin ich im letzten Jahr ein wenig Lichtempfindlicher geworden. Kein Scherz, denn wenn man in der Winterzeit eine Woche lang keinen einzigen Sonnenstrahl gesehen hat und dann zufällig mal um die Mittagszeit auf die Strasse geht, einem die helle Sonne ins Gesicht blendet und man sich die Sonnenbrille aufsetzten muss, weil es auf einem mal einfach ungewohnt hell um einem herum erscheint, dann merkt man schon, das es etwas mit einem macht, wenn man nur noch nachts arbeitet. Du merkst, das dir das Tageslicht fehlt, du merkst, das dein Schlafrhytmus sich verändert und das dein Körper in einem anderen Tackt schlägt. Du bekommst eine Ahnung, warum die Selbstmordrate unter depressiven Skandinaviern erwiesenermaßen höher ist. Du verfluchst die Ladenöffnungszeiten, weil du genau dann aufstehst, wenn die meisten Geschäfte schließen. Dein Handy stellst du tagsüber aus, weil es eben für beide Gesprächspartner blöd ist, wenn sie mit: “Oh sorry, habe ich dich jetzt geweckt?” beginnen. Die Klingel an meiner Tür ist seit etwa einem Jahr abgestellt. Irgendwann habe ich einfach vergessen sie wieder anzustellen, weil es ja doch nur der Postmann ist, der jeden Tag um 10:00 Uhr um Einlass zwecks Briefkastenbefüllung bittet. Sich dafür extra mitten in der Tiefschlafphase zur Wohnungstür schleppen?
Vergiss es Dude. Klingel gefälligst woanders…

Vieles verändert sich. An manches gewöhnt man sich, an einiges gerne, an anderes weniger. Wenn Leute auf Partys um 02:00 Uhr nachts anfangen zu gähnen, bin ich gewohnheitsmäßig guter Dinge. Um 8:00 Uhr morgens sollte man mit mir jedoch besser keine Termine machen. Hat halt alles seine Vor- und Nachteile. Gesundheitlich sicherlich mehr Nachteile. Zumal sich niemand von uns dieses Nachtleben ausgesucht hat, so ganz freiwillig war das alles nicht, aber was macht man heutzutage nicht alles für eine Festanstellung in einem Job, der einem grundsätzlich Spaß macht und darüberhinaus auch noch, selbst in Teilzeit mit Nachtschicht, ausreichend finanziellen Spielraum ermöglicht, um sein Lotterleben auch bezahlen zu können sein täglich Brot zu kaufen und zudem schmackhaft belegen zu können.
Wenn ich so zurück blicke, war das letzte Jahr ein ungewöhnliches Jahr. Eines mit wenig Schlaf, eines mit vielen anstrengenden Schichten, aber auch eines mit überdurchschnittlich viel Freizeit und vor allem ein Jahr mit wenig Tageslicht.
Ein Kapitel im Tagebuch eines Hafenarbeiters mit der Überschrift “Nachtleben!”