Ab morgen wird alles besser:
Echte Männer… und ich rede hier ausschließlich von echten Männer! Echte Männer so wie du und ich!
(kleiner Tipp, wenn sie sich beim Lesen des nächten Satzes die Stimme von Bruce Willis vorstellen, wirkt er noch viel cooler)
Echte Männer wachen morgens auf, erfreuen sich und die wunderschöne Frau die beim Aufwachen neben ihnen liegt an der herrlichen Erektion die sich unbemerkt über Nacht gebildet hat, duschen anschließend eiskalt, erfreuen sich an den vielen Haaren die Mann durch das jahrelange, eiskalte Duschen auf der stahlharten Brust bekommen hat, überlegen kurz ob sie sich lieber mit der Axt oder dem Bowiemesser rasieren sollten, entscheiden sich kurzerhand für den männlicheren drei Tage Bart, frühstücken ein bis zwei blutige Steaks, trinken zum Wachwerden einen halben Liter schottischen Wiskey und verlassen dann das jeweilige Wohndomiziel, um ihrer Arbeit als… na zum Beispiel als Hafenarbeiter, Superheld, Feuerwehrmann oder Jetpilot nachzugehen.
Es gibt aber auch Tage an denen wachen sie auf (glaub mir, so beginnen sie alle) und wissen instinktiv, in der Sekunde in der sie die Augen aufschlagen, das dieser Tag einer der härtesten Scheißtage der Welt werden wird.
Sich noch einmal umzudrehen, die Decke über die Ohren zu ziehen und sich ein paar Minuten vor den Tag zu flüchten würde nichts bringen. Der Mann der seit ein paar Minuten wütend von außen gegen die Wohnungstür hämmerte und lautstark das Öffnen der verdammten Scheißtür forderet, würde sich wohl kaum damit zufrieden geben, noch einmal in zehn bis zwanzig Minuten wiederzukommen, um sein Anliegen erneut vorzutragen.
“Mach endlich die Scheiß Tür auf du verdammtes Arschloch und beweg deinen faulen Studentenarsch zu deiner rostigen Dreckskarre und fahr von meiner Auffahrt runter du Autoparklegasteniker.”
Eloquenz war das Wort das mir durch den langsam zu arbeiten beginnenden Kopf schoss – UND – was um alles in der Welt konnte dieser wütend wirkende, sprachfertige Herr an meiner Wohnungstür zu dieser nachtschlafenden Zeit von mir wollen?
Die Antwort auf diese Frage gaben mir weitere wütenden Nachbarn, die sich mitlerweile vor meiner Tür versammelt hatten und lautstark die Einstellung des Lärms forderten, den sie selbst verursachten.
Anscheinend hatten die Heinzelmännchen wiedereinmal des Nachts mein Auto in eine unvorteilhafte Parkposition begracht. Das klingt zwar im ersten Moment unglaublich, ist aber die Wahrheit und passiert öfter als man denkt.
Wiederwillig quälte ich mich aus dem Bett, verschwendete keine Zeit mit dem Anziehen von Kleidungsstücken, griff mir, um in meiner kleinkarierten Boxershorts wenigstens halbwegs imposant zu wirken, ein Kippe und die Autoschlüssel, steckte mir die Zigrette so lässig wie möglich in den Mundwinkel, öffnete die Tür, schlug sie sogleich wieder hinter mir zu und schlenderte wortlos an den erstaunten Nachbarn vorbei. Die Treppen hinunter und ab auf die Strasse.
Ein geknurrtes: “Ach leck mich doch, ich bin ja schon auf dem Weg!” war das einzige was ich von mir gab. Dannach versuchte ich die wüsten Beschimpfungen des wütenden Nachbarschaftsmobs so gut es ging zu ignorieren.
Es fiel mir auch leichter als ich dachte. Wenn man in seinem Kopf den Satz: “Ach hätte ich doch blos an Feuerzeug und Schuhe gedacht.” ganz schnell hintereinander wiederholt, ist da so früh am morgen kaum Platz, um sich großartig Gedanken über die Mordrohungen und Faustkampfangebote der versammelten Nachbarschaft zu machen.
Mein, allem Anschein nach, außergewöhnlich schlecht geparktes Auto zu finden, war ebenfalls leichter als ich dachte.
An diesem Morgen war es das Einzige, das mittig auf dem Fußweg und queer in der Einfahrt meines Nachbarn stand.
Als ich den Wagen mit etwas Mühe, dreimaligem Motorabwürgen und der Erkenntnis das Autofahren barfuß doch gar nicht so einfach wie ursprünglich gedacht ist, in eine vorschriftsmäßig Parkposition gebracht hatte, überlegte ich, wie ich meinen Nachbarn dieses Ereignis wohl am besten erklären und ihre aufgebrachten Gemühter wenigstens zum Teil besänftigen könnte.
Ein Filzstift und ein Stück Pappe würden es sicherlich nicht wieder gut machen.
“Ab morgen wird alles besser!”

