Wo man singt, da lass dich ruhig nieder:
Die starke Skepsis gegen Menschen im Allgemeinen und Fußballbegeisterte im Besonderen, ließ mich schon immer mit ehrfürchtigem Kopfschütteln vor fußballclubvereinstrikobeleibten Menschenansammlungen erstaunen, die in bierseeliger Stimmung, vor Bahnsteigen oder sonstigen Haltestellen des öffentlichen Personennahverkehrs, ihre Lobesgesänge auf den jeweilig zugehörigen örtlichen Ballsportverein lautstark von sich gaben.
Das Unverständnis für diese Art des kollektiven Singsangs begleitete mich schon seit jeher und erst gestern fragte ich mich aus aktuellem Anlass, was so eine Menschenansammlung dazu treibt, ihre schaurigen Sangeskünste derart hemmungslos zur Schau zu stellen. Die Formel, nach der sich jedes einzelne Gruppenmitglied in diesem “Fanchor” sein gesangliches Unvermögen errechnen konnte, schien denkbar einfach. Man nehme die Anzahl der “Chormitglieder” mutipliziert mit den getrunkenen alkoholischen Getränken, teile durch den Dezibelpegel des Gesangs, ziehe die Wurzel aus dem Genervtheitsfaktor der unfreiwilligen Zuhörer und wer sich mathematisch dazu berufen fühlt, kann von dem Ergebniss auch gerne noch einen beliebigen Intelligenzquotienten eines der Sänger seiner Wahl subtrahieren.
Als ich mit der Rechnung fertig war und feststellen musste, das sie eigenartigerweise aufging, quatschte mich zu allem Überdruss auch noch einer der Fussballfans an. Nachdem ich den Sinn seiner Absichten nicht, dafür jedoch umsomehr Fahne uns Flugspeichel aufnehmen konnte, erlaubte ich mir eine Gegenfrage meinerseits.
Seine Erklährungsversuche auf die Frage: “Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Fußball?” brachten mir dann doch noch ein wenig Unterhaltung, bis mich die Ankunft des total überfüllten, öffentlichen Verkehrsmittels, davon überzeugte, meinen Heimweg mit einem ausgedehnten Fußweg, dafür jedoch mit weitaus weniger menschlicher Gesellschaft und der Situation entsprechender Musik fortzusetzen…
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