Von morgen an bis zum Tag der Rente?
Ich bin schon ziemlich gespannt, auf meinen ersten Tag zurück im Arbeitsleben.
Erfolgreich hatte ich es geschafft mich ca. ein halbes Jahr vor geregelter Arbeit zu drücken. Erfolgreich habe ich mich in der Gegend rumgetrieben und mir den Tag schön sein lassen.
Job gekündigt, Wohnung aufgelöst und rein ins Leben!
Morgen nun hat dies ein Ende.
Mir gemischten Gefühlen sehe ich nun dem Ende des gepflegten Faulenzens entgegen.
Natürlich freue ich mich auf die neuen Herrausvorderungen, die der neue Job mit sich bringen wird, natürlich freue ich mich auch auf die Gehaltsschecks und darauf wieder eine Wohnung und somit ein Dach über dem Kopf zu haben, klar finde ich es spanned… neue Kollegen, neue Tätigkeit, neue Aufgaben, geregeltes Leben usw., aber ein wenig Wehmut ist schon auch dabei.
Allein die Vorstellung, in Zukunft wieder früh am Morgen aufstehen zu müssen erzeugt in mir ein gewisses Unbehagen und ich muss zugeben, das ich das Weckerklingeln nicht vermisst habe.
Auf einem Mal kommt mir eine Idee, warum ich das letzte halbe Jahr so glücklich war.
Vielleicht war ich einfach nur ausgeschlafen?
Auf jeden Fall war es aufregender mit dem VW Bus in den Tag hineinzufahren, als das Ziel des Tages schon bestimmt zu wissen.
Alltag nennt es sich ja, wenn man jeden Tag zur selben Zeit das Haus verlässt, den selben Weg zu Arbeit nimmt, zur selben Zeit wieder heimkehrt um dann die verbleibende Restzeit des Tages damit verbringt zu warten bis es wieder von neuem losgeht.
Alltag… irgendwann wacht man wider 5 Minuten vor dem Weckerklingeln auf.
Alltag… bald schon werde ich Tag, für Tag, für Tag den selben Weg zur Arbeit fahren.
Alltag… demnächst gibt es wieder geregelte Mahlzeiten
Alltag… Zeit um sich wieder eine Lieblingsfernsehserie zuzulegen
Alltag… Mal wieder den Kalender benutzen um Termine einzutragen… Schichtpläne und Arbeitszeiten
Oh je ich habe das alles nicht wirklich vermisst.
Ich hatte immer etwas schiß davor, nach dem Genuß der großen Freiheit mich wieder ins geregelte Leben zurückzubegeben.
Sozusagen die Tür vom Käfig freiwillig zu schließen, nachdem man draußen für einen kurzen Moment die Luft der großen, weiten Welt schnuppern durfte.
Wehmütig schaue ich nun auf die schöne Zeit zurück.
Die Zeit in der ich morgens oft nicht wusste wo ich abends schlafe.
Die Zeit in der ich schlafen konnte so lange bis ich von selbst aufwachte.
Die Zeit in der ich meinen Tag mit Dingen verbringen konnte die mir Spaß machten.
Die Zeit in der ich Faulenzen konnte so viel ich wollte.
Von all den ausschweifenden Nächten will ich lieber gar nichts erzählen…
Aber seltsamerweise freue ich mich dennoch auf den neuen Abschnitt im Leben…
Seltsamerweise werde ich nach einer kurzen Zeit wieder voll drinn sein… im neuen alten Leben.
Seltsamerweise kommt mir gerade eine längst vergessene Textzeile in den Sinn, die mir irgendwie passend erscheint:
Sag ja zum Leben,
sag ja zum Job,
sag ja zur Karriere,
sag ja zur Familie.
Sag ja zu einem pervers großen Fernseher.
Sag ja zu Waschmaschinen,
Autos,
CD-Playern
und elektrischen Dosenöffnern.
Sag ja zur Gesundheit,
niedrigem Cholesterinspiegel
und Zahnzusatzversicherung.
Sag ja zur Bausparkasse,
sag ja zur ersten Eigentumswohnung,
sag ja zu den richtigen Freunden.
Sag ja zur Freizeitkleidung mit passenden Koffern,
sag ja zum dreiteiligen Anzug auf Ratenzahlung in hunderten von Scheiß-Stoffen.
Sag ja zu Do-it-yourself
und dazu, auf Deiner Couch zu hocken und Dir hirnlähmende Gameshows reinzuziehen.
Und Dich dabei mit Scheiß-Junk-Fraß vollzustopfen.
Sag ja dazu, am Schluß vor Dich hinzuverwesen,
Dich in einer elenden Bruchbude vollzupissen
und den mißratenen Ego-Ratten von Kindern,
die Du gezeugt hast, damit sie Dich ersetzen,
nur noch peinlich zu sein.
Sag ja zur Zukunft,
sag ja zum Leben.Aber warum sollte ich das machen?
(aus dem Film “Trainspotting”)




