Am Donnerstag, den 18. Februar 2010 erschien das neue uMag als Relaunch-Ausgabe im gut sortierten Zeitschriften Kiosk. Ein alternatives Lifestylemagazin, welches nach eigenen Angaben auf die Zielgruppe der zwischen 20 und 39 Jährigen zielt, die szenig, gebildet und aufgeschlossen sind und sich darüber hinaus überwiegend im Netz bewegen. Eine Zielgruppen also, der auch ich angehöre, denn zum Relaunch des Magazins suchten die uMag Macher Teilnehmer für eine Blogaktion. Meine Neugier war geweckt, wenig später landeten zwei Augaben des uMag, zusammen mit ein paar Hintergrundinformationen in meinem Briefkasten und so setzte ich mich mit einer älteren, sowie der aktuellen, neu konzipierten Printausgabe des Magaziens auf mein Sofa und begann zu blättern und zu vergleichen.
Was ist also neu und was ist besser?
Zunächst einmal scheint das neue Heft deutlich dicker zu sein, als das Alte. Moment, stimmt eigentlich nicht, denn beide Ausgaben haben exakt 82 Seiten.
Es muss also am Papier liegen. Hochglanzpapier war gestern. Das neue uMag setzt im Gegensatz zur älteren Ausgabe auf ein etwas dickeres, angegrautes Papier. Ökologisches Bewusstsein, Recycling oder siegte am Ende der Preisvorteil? Gute Frage.
Bei der man erwähnen sollte, das der Preis sogar gestiegen ist. Erhielt man im November 2009 das Heft noch für schlanke 2,50 €, muss man aktuell für die Relaunch Ausgabe mit 3.30 € ein klein wenig tiefer in die Tasche greifen. Dafür gibt es aber auch ein wenig mehr Inhalt. Zumindest meinem subjektiven Empfinden nach. Es geht nachwievor um eine junge Szene und Alternativkultur, um Trends aus Mode, Design, Technik und Wohnen, um Musik und deren Macher, um junge Künstler aus Literatur, Theater, Film, Kunst und Fotografie, sowie um Gesellschaftliche und politische Themen. Den einzelnen Berichten wird jetzt jedoch deutlich mehr Raum gegeben, als zuvor.
“Wir verstehen uns nicht einfach als ein weiteres Medium zum Thema Popkultur, sondern als ein lebensweltlicher Kosmos aus Musik, Mode und Kunst.”
sagt Uwe H. Bunk über das Konzept des uMag.
Ja stimmt soweit auch. Das Helft durchblättert sich wirklich gut. Es gibt viele interessante Themen über Musik, Kunst und Kultur und es wird tatsächlich auch zu vielen Themen auf die entsprechenden Webseiten hingewiesen.
Doch was ist jetzt wirklich neu?
Die gemachten Gedanken über Freundschaften in Social Networks sind sicherlich interessant, für mich als alter Weggefährte des Web 2.0 jedoch nicht überraschend neu. Dafür gibt es ein paar kleine Artikel zu Leuten und Musik, über die ich eigentlich immer gerne was lese. Über fettes Brot, The Shout Out Louds, ein kleiner Artikel über Tocotronic, ein leider viel zu kurzes Interview mit Christian Ulmen und ein angekündigten Bericht über Bernd Spilker, den Sänger der Band “Die Sterne”. Um den zu lesen, musste ich dann allerdings vom Sofa aufstehen und den Computer anwerfen, den diesen Artikel findet man ausschließlich in der Onlineausgabe des uMag. Dieses verflixte Crossmedia-Ding… Da ich ein großer Fan der Sterne bin und mich dieses Thema also wirklich neugierig machte, schlürfte ich tasächlich hinüber zum Schreibtisch und starte den Rechner. Das Hochfahren des Computers gabt mir Gelegenheit, um über den neuen Zeitgeist von Pritmagazinen nachzudenken. “Crossmedia bezeichnet die Kommunikation über mehrere inhaltlich, gestalterisch und redaktionell verknüpfte Kanäle, die den Nutzer zielgerichtet über die verschiedenen Medien führt und auf einen Rückkanal verweist.”
Anstatt also weiter auf dem Sofa zu liegen und im Heft zu blättern, suche ich jetzt also im Netz nach dem entsprechenden Artikel, finde ihn auch und bin leider sofort wieder durch incomming Mails, Twitter und all den ganzen Web Kram abgelenkt. Eigentlich hätte ich den Bericht viel lieber im Heft gelesen, aber so scheint das nun einmal zu sein, mit dem Zeitgeist der neuen Medien.
Web und Internetthemen gerne und von mir aus auch gerne offline, aber wenn schon Print, dann doch bitte nur Print.
Als Angehöriger der Zielgruppe der zwischen 20 und 39 Jährigen, die szenig, gebildet und aufgeschlossen ist und sich darüber hinaus überwiegend im Netz bewegt, lese ich gerne in einem Magazin, das mir zielgruppenorientierte Themen bietet. Sowohl im Netz als auch offline. Aber ein ganzseitiges Bild von Bernd Spilker mit einem Link zum Bericht? Hmmm, um ehrlich zu sein, entspricht dies nicht unbedingt meinen Mediengewohnheiten.
Klar, ein Magazin wirkt deutlich multimedialer, wenn zu entsprechenden Beiträgen auch Links abgedruckt sind, allerdings kann ich diesen in einer Printausgabe ja nicht einfach klicken, sondern muss sie online abtippen und… nun ja… die Zielgruppe derer, die sich überwiegend im Netz bewegt, versteht halt eh mit Google umzugehen und findet im Zweifelsfall eine Künstlerwebseite auch alleine, bzw. bekommt viele Infos sowieso schon via Twitter direkt und in Echtzeit auf den Bildschirm.
Der angekündigte Versuch die Lesegewohnheiten der Internetgeneration zu integrieren und mit visuell-haptischer Erlebbarkeit zu verbinden, mag zwar durchaus ambitioniert erscheinen, scheitert bei mir jedoch schon allein an meiner Bequemlichkeit. Zwar wurde beim Bernd Spilker Interview kurzfristig meine Neugier geweckt, ob ich dies jedoch in naher Zukunft zu einer neuen Mediengewohnheit werden lasse, wage ich zu bezweifeln.
Zugegeben, einige Magazine schaffen es zwar, mich z.B. durch interessante Tweets auf ihren Onlineteil zu locken und später durchaus zum Kauf der Printausgabe zu bewegen, dann allerdings wieder, wie im uMag, auf den Onlineteil hingewiesen zu werden, um einzelne Artikel auschließlich dort zu lesen, ist mir auf die Dauer glaube ich doch zu anstrengend.
Aber wie auch immer. Das uMag bietet eine ganze Reihe interessanter Beiträge, eine gelungene Aufmachung und ein durchaus interessantes Konzept.
Man merkt es dem Magazin an, das die Redaktion Spaß an den Themen hat und offensichtlich ebenfalls (noch?) zur Zielgruppe gehört. An ihr vorbei schreiben sie jedenfalls nicht. Der Relaunch tat dem uMag sichtlich gut und wenn ich mir meinen, nun doch etwas länger gewordenen, Blogtext betrachte, hat mich das Heft anscheinend gut unterhalten.
Am besten schauen sie sich das uMag einmal selbst an. Wenn sie das Ganze nämlich bis hierher interessiert gelesen haben, dann gehören sie scheinbar eh zur Zielgruppe. Laufen sie also ruhig einmal zum nächst besten, gut sortierten Zeitschriftenhandel und bilden sich ihr eigenes Urteil. Die Bewegung wird ihnen gut tun und da sie ganz offensichtlich eh zu viel vor dem Bildschirm sitzen, wünsche ich schon einmal viel Vergnügen mit der guten alten Print…
Ist eben doch anders, als online. Und wem es dann doch nicht gefällt, der kann dann ja wieder… Crossmedial versteht sich!
