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BeastyBasti – Wir Kinder vom Web 2.0 » 2008 » September

Sie lesen im Archiv von September, 2008
Bitte denken sie sich digitalen Staub und Spinnenweben selber dazu.

Dem Rock’n Roll auf die Schulter geklopft:

Als ich neulich spät nachts aus der Red Devils Bar nach hause kam, sah ich auf dem Mauervorsprung, welcher den nahe gelegenden Park abgrenz eine traurige Gestallt sitzen. Die Gestallt hatte den Kopf tief in die Hände vergraben und schluchzte jämmerlich. Anscheinend war sie sehr sehr traurig.
Da mein Weg mich eh dort entlang führte, näherte ich mich vorsichtig. Mit ruhiger Stimmer sprach ich sie an.
“Hey, alles in Ordnung?”
Die Gestallt blickte mich etwas erschrocken an.
“Gar nichts ist mehr in Ordnung. Alles ist vorbei.”
“Ach komm schon.” versuchte ich meinem Gegenüber etwas aufmunterndes zu sagen.
“Egal was es ist, aber irgendwie wird sich das schon wieder einrenken.”
Die Gestallt schaute mich prüfend an und wie um meine Seriosität zu beweisen hielt ich ihr eine von meinen Zigaretten hin. Nicht ohne mir vorher selbst eine in die Mundwinkel zu klemmen.
“Hier. Willste ‘ne Zigrette?”
“Danke, gerne. Willst du dich nicht setzten?”
Ich setzte mich und gemeinsam rauchten wir.
“Sag mal wie heißt du eigentlich?”
“Ich bin der Rock’n Roll.” antwortete die Gestallt.
“Ach deshalb kommst du mir so bekannt vor.” Ich wunderte mich schon lange über gar nichts mehr, den immer öfters wenn ich aus der Red Devils Bar kam, ereigneten sich recht merkwürdige Dinge.
“Glaub nicht das sich noch jemand an mich erinnert.” meinte die Gestallt entmutigt.
“Na ja ein paar sicherlich schon.” versuchte ich wieder aufzumuntern.
“Am Arsch und hier in dieser Stadt sowieso schon mal gar nicht Basti.”
“Ey, woher weist du wie ich heiße?”
Etwas verwundert sah mich die Gestallt, welche sich Rock’n Roll nannte an. Für den Moment schien sie ihren Kummer vergessen zu haben.
“Na du kennst mich doch schon etwas länger, wieso sollte ich dich da nicht auch kennen?”
“Na ja” antwortete ich skeptisch “Wenn du wirklich der Rock’n Roll bist, dann kennen wir uns tatsächlich schon etwas länger und…”
“Seit du 15 bist ungefähr und damals mit deiner ersten Platte fing das alles an. Wie hieß die Band doch gleich?” fiel mir der Rock’n Roll ins Wort und wollte tatsächlich beinahe den Namen der Band meiner ersten Platte aussprechen, als ich ihm das Wort abschnitt.
“Ist ja gut, ist ja gut. Jeder fängt mal klein an.”
“Ja aber das braucht dir nicht unangenehm zu sein. Gerockt hat es doch und das ist es gewesen, was mir gezeigt hat, das du etwas für mich übrig hast.”
Eine Weile überlegte ich. Konnte es wirklich und wahrhaftig der Rock’n Roll sein, der da neben mir auf dem Mauervorsprung saß und rauchte? Irgendwie war ich skeptisch.
“Irgendwie hätte ich mir den Rock’n Roll immer anders vorgestellt.”
“Ja wie denn?”
“Anders halt. Glanzvoller, größer, na jedenfalls nicht weinend im Park sitzen.”
Die Rock’n Roll schaute wieder traurig drein.
“Früher war ich auch anders, echt. Du hast mich doch auch schon oft genug gespürt. Aber da saß ich nicht hier auf dem Mauervorsprung, sondern hab das gemacht was ich am besten kann: abgerockt!”
Ich war verwirrt.
“Aber wenn ich den Rock’n Roll gespürt habe und du hier auf der Mauer sitzt, wie kannst du dann der Rock’n Roll sein?”
“Rock’n Roll ist so viel mehr als du denkst.” antwortete der Rock’n Roll
“Ich sitze ja auch nicht immer hier im Park rum und zerfließe in Selbstmitleid, wegen dem was aus mir geworden ist. Meistens bin ich schon cooler. Ich bin ja mittlerweile auch mehr ein Lebensgefühl als eine Musikrichtung.”
Das klang einleuchtend.
“Aber sag mal was machst du dann hier?”
“Wo hier?”
“Na hier in diesem Park? Hier in dieser Stadt? Und überhaupt so hier als Person?”
“Also…” holte der Rock’n Roll aus. “Dies ist eine lange Geschichte, die schnell erzählt ist.”
“Eigentlich schade das wir grade kein Bier hier haben für die Geschichte.”
“Ach lass gut sein, der Rock’n Roll braucht nicht unbedingt alkoholische Biergetränke um gute Geschichten erzählen zu können.” lächelte der Rock’n Roll.
“Also pass auf Basti. Ich bin hierher als Person gekommen um hier mal nach dem Rechten zu sehen.”
“Der personifizierte Rock’n Roll kommt also in diese Stadt um mal zu gucken was so geht?”
“Na nötig hat deine Stadt es doch wohl oder? Was ist daran so komisch?”
Ich grinste. “Ne hast schon recht. Erzähl weiter.”
“Na ja, es gab ja mal ganz gute Ansätze hier, aber irgendwie rockte mir das alles nicht genug. Das kennste ja sicherlich aus eigener Erfahrung. Na und da dachte ich in maßloser Selbstüberschätzung ich komme mal vorbei und schieb das Ganze hier mal so ein bisschen an.”
“So Werbung in eigener Sache? Oder wie?”
“Na wer denn sonnst? Der Staat vielleicht? Meinst du der kann den Rock’n Roll in dieser Stadt besser fördern?”
“Nee hast schon recht. Nur Rock’n Roll schafft Rock’n Roll. Ist doch schon immer so gewesen.”
“Siehste und da bin ich halt hergekommen und wollt das hier alles mal ein bisschen aufpennen. Bisschen Schwung in die Bude. Verstärker an, volle Pulle aufgedreht und Rock’n Roll eben…!”
“Oh ha, da hast du dir aber was vorgenommen. Wusstest du denn nicht, das diese Stadt nicht für Rock’n Roll gemacht ist?”
Der Rock’n Roll beugte sich vorne über und stützte den Kopf auf die Hände.
“Jetzt ja.” schluchzte er.
“Mich ham da vorne, an einer Kneipe, ein paar komische, gelackte Typen angepöbelt. Mich! Den Rock’n Roll. Das muss man sich mal vorstellen. Schlimm oder?”
“Hast du doll was abbekommen?”
“Ja und Nein.” der Rock’n Roll begann zu weinen.
“Die, die *heul* die sind einfach auf mich los und haben mich angepöpelt ich soll mich verpissen. Und das das jetzt ihre Stadt wäre. Ich meine die können doch nicht einfach den Rock’n Roll vertreiben. So was geht doch nicht.”
“Geht auch nicht! Du bist ja auch noch hier.” aufmuntern klopfte ich dem Rock’n Roll auf die Schulter.
“Rock’n Roll weißt du was?” der Rock’n Roll sah mich traurig und fragend an.
“Wir beide gehen jetzt zurück in die Red Devils Bar. Dort lässt du dir von Jürgen, meinem Lieblingsbarkeeper einen ordentlichen Drink mixen und dann zeigen wir den Typen mal wie ordentlich gerockt wird.”
Der Rock’n Roll zuckte mit den Schultern.
“Und was wenns nichts bringt?”
“Das wird schon was bringen. Mann! Du hast schon Mauern einstürzen lassen und Kriege verhindert. Alter wegen dir sind die zu tausenden nicht nach Vietnam gegangen.”
“Ja, aber da hatte meine Freundin Mari auch ein gehöriges Wörtchen mitzureden.”
“Welche Mari?”
“Huana… die kennste doch oder?” der Rock’n Roll grinste
Ich grinste zurück: “Ok, lass und gehen.”
Mit einem “Hey Ho, Let’s go!” sprang der Rock’n Roll von dem Mauervorsprung auf. Ich klopfte ihm auf die Schulter und gemeinsam schlenderten wir durch den Park.

In der Red Devils Bar würde es dem Rock’n Roll gefallen, da war ich mir sicher…