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BeastyBasti – Wir Kinder vom Web 2.0 » Die besten Storys schreibt das Leben (oder BeastyBasti)

Sie öffneten die digitale Schublade ‘Die besten Storys schreibt das Leben (oder BeastyBasti)’
Abgesehen von den folgenden Einträgen liegt darin auch noch eine Menge digitaler Staub.

Ein kleiner Schwank aus meiner Jugend:

Es war irgendwann im Februar. 13 Jahre, 2 Monate und ein paar zerquetschte Tage ist es jetzt her. Wissen sie noch was sie vor 13 Jahren, zwei Monaten und ein paar zerquetschten Tagen gemacht haben? Ich helfe ihnen gerne auf die Sprünge. Vor 13 Jahren, 2 Monaten und ein paar zerquetschten Tagen war Samstag und für einen Februartag war es sogar einigermaßen angenehmes Wetter. Also ich kann mich noch ziemlich gut an diesen Tag erinnern. Eigentlich ein Samstag wie jeder andere, aber mir blieb er in guter Erinnerung, weil ich an genau diesem Tag eher zufällig eine gute Entscheidung traf. Wenn ich so drüber nachdenke, eine der besten Entscheidungen, die ich je in meinem Leben getroffen habe, aber das ich genau dies einmal 13 Jahre, 2 Monate und ein paar zerquetschte Tage später so sehen würde ahnte ich natürlich damals noch nicht.
Damals ahnte ich genaugenommen überhaupt noch ziemlich wenig. Hauptsächlich war ich damit beschäftigt diesen Teil meiner Jugend irgendwie hinter mich zu bringen. So richtig auf dem Dampfer war ich jedenfalls nicht. Die Weihnachtsfeiertage hatte ich mit 40 Grad Fieber im Bett verbacht und die Jahreswende, sowie meinen 18. Geburtstag mit guten Freunden in Holland. So langsam ging es wieder Aufwärts mit mir. So rein Mental und physich auch. Werktags schleppte ich meinen arbeitsunwilligen, jugendlichen Körper in die Tischlerei, in der ich meiner Berufsausbildung nachging und nach Feierabend, sowie am Wochenende hing ich mit meinen zwei besten Freunden rum. Wir rauchten viel, hörten Musik, versuchten uns einen Reim auf das Leben zu machen und warteten darauf, das irgendetwas passierte.
Meistens passierte jedoch nicht viel. In dem kleinen Ort, in dem wir unsere Jugend verbrachten, passierte eigentlich so gut wie nie etwas. Warscheinlich war dies der Grund, warum Rentner dort sehr gerne lebten, Jugendliche wie wir, jedoch eher von anderen Orten träumten. Rückblickend, könnte ich behaupten, das mir in diesem Teil meiner Jugend häufig sterbenslangweilig war.
Am langweiligsten war es jedoch immer Dienstags und neuerdings öfters auch mal an Donnerstagen. Dann nämlich waren meine beiden besten Freunde weg. Naja nicht direkt weg, aber seit einiger Zeit hingen sie ständig in einem Keller unter dem örtlichen Jugendtreff rum. Einer meiner beiden besten Freunde hatte sich überlegt später mal ein berümter Rockstar zu werden und vor ‘ner Weile mit dem Gitarrespielen begonnen. Voller Elan, begann er die Saiten zu quälen. So oft es ging, so laut es ging und da wir desillusionierte Kinder der 90′er, und somit ausgesprochene Freunde der Grungemusik waren, auch ziemlich schräg. Er hatte sich mit einem befreundeten Gitarristen zusammengetan und mein anderer bester Freund wurde zum Trommeln vergattert. Dienstags und immer öfters auch Donnerstags. Aus diesem Grund, war mir an beiden Tagen immer besonders langweilig. Alleine rumhängen war blöd und den drei Jungs bei den Proben zuzuhören, war laut, langweigweilig und aufgrund ihrer noch recht frisch erworbenen instrumentalen Fähigkeiten bei Leibe nicht immer das größte Vergnügen für die Ohren. Aber was sollte man machen? Bei den dreien drehte sich neuerdings alles um die Musik und wenn man nicht wirklich mitreden kann, sind Gespräche über Stophe, Refrain, Strophe, Refrain, Strophe, Refrain so unterhaltsam, wie die Predigt eines Dorfpfarrers. Das mit der Musik beschränkte sich jedoch nicht nur auf den Dienstag und den Donnerstag. Es schien sich auszubreiten und nahm für die angehenden Rockstars mehr und mehr Zeit ein. Nicht mal an einem Samstag Vormittag hatte man davor Ruhe. An dem besagten Tag vor nunmehr genau 13 Jahre, 2 Monate und ein paar zerquetschte Tagen klingelten es bei uns an der Tür:

“Hey Basti, wir wollen nach Stade, kommst du mit?”
“Was’n da los?”
“Ins große Musikgeschäft am Bahnhof.”
“Ich habs geahnt.”
“Kommste mit?”
“Na Klar!”

Da ich diesen Samstag Vormittag ansonsten ohne meine besten Freunde hätte verbringen müssen, entschied ich mich spontan, einen weiteren Tag in der Woche an ihren spannenden Gesprächen über Strophe, Refrain, Strophe, Refrain, Strophe, Refrain teilzuhaben. Schnell die Jacke an und los. Ach nee Knete brauchte ich ja auch noch. Vielleicht, so dachte ich, könnte man in der Stadt mal was shoppen. CD’s oder so. Da das Internet auf dem Land zu der Zeit noch nicht erfunden war und es bei uns auch keinen trendigen Plattenladen gab, musste man damals jede Gelegenheit nutzen, um an ein paar Scheiben zu kommen. Ich schnappte mir meine gesammte Barschaft, die gerade eine nicht unerhebliche Summe von 1000 Mark in einem Schein betrug und beschloss ein wenig davon unters Volk zu bringen. Nicht alles, aber zumindest etwas, denn eigentlich hatte man dieses kleine Vermögen für den gelungenen Start in meine kürzlich erworbene Volljährigkeit vorgesehen. Ein paar Platten mussten dennoch drinn sein. Für den Führerschein würde es schon noch reichen… Ich stieg also zu meinen besten Freunden ins Auto und wir knatterten in einem Audi 80 hinaus in die für uns noch weite Welt.
Ich lauschte der Musik wärend die Jungs sich über Strophe, Refrain, Strophe, Refrain, Strophe, Refrain unterhielten und wo man mal ein Gitarrensolo einbauen müsste und wie geil das wäre, später mal auf ‘ner Bühne vor zigtausend Leuten zu spielen. Und die ganzen Groupies… Whow…

So ging es die ganze Fahrt über, setzte sich auf dem kurzen Fußweg vom Parkhaus am Bahnhof zum Musikgeschäft fort und wurde lediglich von einem kurzen, aber ehrführchtigen Schweigen unterbrochen, das aufkam, als wir uns unsere jugendlichen Nasen am Schaufenster mit der überwältigenden Anzahl auf Hochglanz polierter Instrumente plattdrückten.
Da waren wir also. Im Paradies für Mucker, Musiker und angehende Nachwuchsrockstars.
Der Drumer verzog sich in die Schlagzeugabteilung im Keller und die beiden Gitarristen waren eifrigst damit beschäftigt alle möglichen Saitenintrumente von den Halterungen an den Wänden zu nehmen und sie ausgiebig auf ihren Klang und ihre Bespielbarkeit zu überprüfen.

“Ey, die ist doch mal geil, oder?”
“Cool!”
“Oder die da…. Hamma Teil!”
“Voll cool.”
“Ey, oder guck mal die da. Krass oder?”
“Sieht echt mega cool aus.”
“Mensch Basti, du solltest dir auch ein Instrument zulegen.”
“Ich kann doch gar nicht spielen.”
“Kauf dir doch ‘ne Triangel, das kriegst sogar du hin.”
“Gute Idee, dann hab ich auch nicht viel zu schleppen, wenn es auf Tournee geht.”

Eigentlich hörte sich die Idee gar nicht so schlecht an. Wenn die drei tatsächlich irgendwann mal Rockstars werden und reich und berühmt um die ganze Welt touren, nur um den ganzen Tag Hotelzimmer zu verwüsten und Groupies zu vernaschen, dann musste ich da unbedingt dabei sein.

“Kann man bei euch denn noch mit irgendwas einsteigen?”
“Na klar. Einen Bassisten brauchen wir noch.”
“Was’n das?”
“So ähnlich wie Gitarre, nur mit 4 Saiten.”
“Kann ich doch nicht.”
“Bring ich dir bei.”
“Und was brauch ich dafür?”
“Einen Bass!”

Ein wenig verlegen schaute ich mich um. Ehrlich, ich hatte zuvor noch nie was von Bass gehört. Für mich war bis dahin alles was Saiten hatte und Rockmusik machte, irgendwie Gitarre. Die Idee mit dem Bass gefiel mir von Sekunde zu Sekunde besser.

“Haben die hier sowas?”
“Na klar.”
“Zeig mal wo die Dinger hängen.”
“Gleich da drüben. Alles was 4 dicke Saiten hat, is ‘n Bass.”
“Guck mal, der ist doch mal geil, oder?”
“Cool!”
“Oder der da…. Hamma Teil!”
“Voll cool.”
“Ey, oder guck mal der da. Krass oder?”
“Sieht echt mega cool aus.”
“Mensch Basti, spiel doch mal einen an.”
“Ich kann doch gar nicht spielen.”
“Nimm dir einen der dir gefällt, ich zeig dir das.”
Das tat ich. Ich suchte mir einen Bass aus, der mir auf Anhieb gefiel. Einen mit einem Korpus, bei dem man die Maserung des Holzes sehen konnte in dunkelbraun. Ich nam ihn in die Hand und wusste nicht so wirklich was ich tun sollte.
“Spiel doch mal.”
“Wie denn nur?”
“Na einfach drauf los.”
“Wie?”
“Zupfen!”

Ich zupfte. Ohne die leiseste Ahnung von dem was ich da tat. Und das hörte man wohl. Schnell nahm man mir das edle Intrument aus der Hand und zeigte mir, was ich tun sollte.

“Hier, zweite Saite, dritter Bund, 4 mal zupfen, dann gleiche Stelle eine Saite drüber 4 mal zupfen. Dann gehst du auf den fünften Bund, zweite Saite, 4 mal zupfen und wieder eine Saite drüber 4 mal zupfen. Alles klar? Dann zupfst du noch mal zwei Bünde weiter auf der 2. Saite, aber diesmal nur einmal und lässt das lange klingen. Ok? Hörst du? So in etwa… “Bloing!” und dann machst du das hier: Bam Bamm, Bam, bamm und wieder “Bloing” Ok? Hast du es? Und dann wieder von vorne. 4 mal hier, 4 mal da drüber, 4 mal hier, vier mal da drüber und dann wieder einmal “Bloing”… klingen lassen dann schnell Bam Bamm, Bam, bamm und wieder “Bloing” – geil oder?”

Ich probierte das 5 Minuten lang, bis es einigermaßen so klang wie es klingen sollte. War gar nicht so einfach und und warscheinlich klang es immernoch total kacke, aber ich hatte gerade meinen ersten Song gelernt. Also so halbwegs zumindest. Hätten sie ihn erkannt? Der Musikladenverkäufer hatte es und ebenfalls, das es sich bei mir um einen potentiellen Interessenten für dieses Musikinstrument handeln musste. Er erklärte mir, das es sich, bei dem guten Stück um einen Bass der Marke Aria handelte, das Ding total toll sein, supergut klinge und überhaupt alles so technische Dinge von wegen Klangregelung, Tonabnehmer, Hardware und so weiter.. nur vom feinsten und auch ganz leicht für Einsteiger, weil die Mensur nicht zu groß und somit die Bundabstände leichter zu greifen seien und so weiter und so weiter… 900 Mark!

Mit dem genannten Preis schwanden die Hoffnungen meiner besten Freunde, das ihre Band alsbald einen neuen Bassisten hinzubekämen.
Schöner Bass, aber 900 Mark sind eben auch kein Pappenstiel. Für einen jungen Mann mit großer Langeweile an Dienst- und Donnerstagen und einem großen braunen 1000 Mark Schein in der Hosentasche jedoch eine mächtige Verlockung.

Basti: “Ich glaub ich nehm den.”
1. Gitarrist “Echt?”
2. Gitarrist “Echt?”
Drumer: “Echt?”
Basti: “Jo!”

Verkäufertyp: “Gleich so mitnehmen, oder solls sonst noch was sein?”
Basti: “Können sie mir den irgendwie… ähhh… einpacken?”
Verkäufertyp: “Koffer oder Tasche?”
Drumer: “Koffer!”
Verkäufertyp: “Ich hab da was für 50 Mark.”
Drumer: “Ok, wir kaufen noch ‘nen Gurt für den Bass und du legst den Koffer gratis obendrauf.”
Verkäufertyp: “Abgemacht.”

Nun hatte ich also alles was man als angehender Bassist so brauchte. Ein Instrument, einen Koffer und einen Gurt. Und zwar einen schön langen. Den brauchte ich unbedingt, damit bei meinen Einmeterneunzig der Bass auf keinen Fall zu weit oben hängt. Ich hatte zwar keine Ahnung von Noten, geschweige denn wie man spielte, aber das es absolut uncool war, wenn der Bass nicht mindestens in den Kniekehlen hing, wusste ich. Wohl an. Wir verließen das Musikgeschäft, das wir vor einer Stunde betrehten hatten. In meiner Hand trug ich den Koffer mit meinem neuen Bass und über meiner Schulter hing der extra lange Gurt. Es fühlte sich gut an. Verdammt gut, denn nun waren wir vier nicht mehr nur gute Freunde, sondern eine Band. Wir hatten noch keinen Namen und die Sache mit dem Führerschein würde auch noch ein wenig auf sich warten lassen müssen. Meine gesammte Barschaft war innerhalb einer Stunde von 1000 auf 80 Mark geschrumpft, jedoch ahnte ich, das ich in diesem Moment eine großartige Investition in mein zukünftiges Leben getätigt hatte. Für eine Kiste Bier und ein paar Platten würde es sogar auch noch reichen und das allerwichtigste war, von nun an wusste ich was ich am nächsten Dienstag und am Donnerstag tun würde… und an den darauf folgenden Dienstagen und Donnerstagen… damals vor 13 Jahre, 2 Monate und ein paar zerquetschte Tage, als ich eher zufällig mit dem schönsten Hobby der Welt begann.

Mein erster Bass