“Offline ist das neue Online!” so sagte man mir. Für mich klang dies allerdings nach einem schwachen Versuch mich ein wenig nach dem mich urplötzlich heimsuchenden virtuellen Fallout zu trösten.
Was sich bei Wikipedia sachlich und harmlos anhört, kann einem in der Realität ganz schön zu schaffen machen:
“Offline wird der Zustand bezeichnet, in dem ein Gerät, das über eine Kommunikationsschnittstelle verfügt, nicht bereit ist, Daten über diese Schnittstelle zu empfangen oder zu senden. Das Gegenteil davon ist online.”
Ah ja, das bedeutet jetzt also, das ich bei Google nicht mehr nach Freizeitgestaltung für Web 2.0 Abhängige suchen kann.
“Früher ging es doch auch ohne.”
“Halb so wild, wenn ersteinmal die Wochen mit den körperlichen Entzugserscheinungen vorrüber sind.”
“Irgendwann werden die viereckigen Augen dann wieder rund.”
“Sieh es positiv. Jetzt hast du wieder mehr Zeit für die wichtigen Dinge im Leben.”
Ja, aber wofür denn nur? Enten füttern im Park?
Über eine Woche ist es nun her. Offline – plötzlich, unerwartet und vor allen Dingen ungewollt. Als ich meinen Computer neulich nicht mehr hochfahren konnte und der Bildschirm schwarz blieb, stand mir noch kein kalter Schweiß auf der Stirn. Ok, Diagnose Rechner kaputt. Nachdem selber rum fummeln auch nichts brachte, lud ich das defekte Gerät in mein Auto und schaffte die leblose Technologie zum Computerfachgeschäft meines Vertrauens. Die Experten versprachen sich darum zu kümmern, mich sogar anzurufen wenn sie genaueres wüssten. Es würde zwar eine Kleinigkeit kosten, aber sie würden es hinbekommen. Ich biss also in den sauren Apfel. In diesem Moment bekam das Apple Logo für mich eine ganz neue Bedeutung. Das war vor genau einer Woche.
Es folgte mein erstes offline Wochenende seit…
Um ehrlich zu sein, kann ich mich nicht mehr daran erinnern, wann genau ich das letzte mal längere Zeit offline gewesen bin. Im Sommer muss es gewesen sein. Ein Festival Wochenende mit Sicherheit, aber an solchen Wochenenden habe ich genug um die Ohren, so das ich im Grunde gar keine Zeit habe, um online zu vermissen.
Jetzt aber kam ich nach Hause, stand in meiner Wohnung, hatte keinen Computer zum Hochfahren und fragte mich ernsthaft wie ich die viele Freizeit überbrücken sollte. Wie und womit nur? Zu allem Unglück begann genau an diesem Tag nämlich auch noch mein Urlaub. Wenn es kommt, sage ich ihnen, dann kommt aber auch alles zusammen.
Was also anfangen mit der vielen Freizeit?
Ich besitze zwar einen Fernseher, genauer gesagt sogar drei davon, nur benutze ich sie so gut wie nie. Aus gutem Grund. Fernsehen langweilt mich. Stumpfe Werbung, endlose Wiederholungen. Ernsthaft! Fernsehen mag für viele von ihnen unterhaltsam sein, mich jedoch landweilt es zu Tode. Ich weigere mich auch nur eine weitere Staffel von irgendwelchen möchtegern Superstars oder Vorabendserien, Pseudodokus, Realityquatsch und hirnlämende Gameshows Woche für Woche in einer neuen Variante anzusehen. Nein Danke, wirklich nichts für mich. Aber dennoch, was sein muss, muss sein.
Ein Wochenende würde ich schon überstehen, Notfalls auch mir Fernsehen und irgendwann müsste der Computer ja auch wieder flott sein.
Das Computerfachgeschäft meines Vertrauens meldete sich dann auch. Ein Virus hätte meinen Rechner befallen und es würde länger dauern als sie dachten, um die Daten auf meiner Ferstplatte vor dem drohenden Verfall zu retten. Was kompliziertes. Selbst für die Fachleute. Aber sie würden das hinbekommen. Bekamen sie auch. Ich holte meinen Rechner ab und er funktionierte. Für einen Tag.
Dannach trat der Fehler erneut auf und wieder ging nichts mehr. Diesmal sogar noch weniger als vorher. Nämlich absolut gar nichts. Die Leute im Computerladen sahen mir meine Onlineaffinität wohl an und boten mir dieses mal eines ihrer Ersatzgeräte an, auf dem die Zeilen die sie hier lesen getippt wurden.
Eine Woche offline lag nun hinter mir. Eine Woche in der ich viel Zeit fand. Zeit für Dinge von denen mich die Weiten des World Wide Web oft abhalten.
Ich habe stundenlang fern gesehen und es hat mich doch besser unterhalten als ich dachte.
Ich habe ein Buch gelesen, ein anderes angefangen.
Dabei kam mir eine weitere tolle Idee. Irgendwann waren da doch einmal noch viel mehr Bücher gewesen?
Warteten da nicht noch etwa zehn Umzugskartons, mit unzähligen Kuriositäten, die seit etwa zwei Jahren unangetatstet in einer Ecke meiner Wohnung ihr Dasein fristeten? Kaum zu glauben was man in einer offline Woche so alles erledigen kann. Plötzlich hat ein Tag wieder ein paar Stunden mehr und plötzlich beschäftigt man sich mit Dingen, an die man schon gar nicht mehr gedacht hatte, seit der Blick am Bildschirm klebte. Da lässt man mal sein Auge schweifen und findet in seiner eigenen Wohnung ein paar Sachen, die man schon längst vergessen hatte. Etwa eine etwas unhandliche Machete und einen kleinen roten Gummiball. Sicherlich fragen sie sich jetzt neugierig, was es wohl damit auf sich hat. Diese Geschichte erzähle ich ihnen jedoch ein anderes mal. Hier auf diesem Blog. Online versteht sich. Irgendwann… Versprochen!
Nach der offline Zeit.
Wenn die viereckigen Augen wieder rund geworden sind und…
Na ja, wie gesagt, ein anderes mal.
Ich bin dann ersteinmal im Park… bei den Enten!